Forschungsprojekt

Azykh-Höhle: Menschliche ökologische und kulturelle Dynamiken während des späten Pleistozäns im kaukasischen Korridor

Survey und Ausgrabungen in Karabach

Zusammengefasst

Dieses Projekt untersucht die menschlichen ökologischen und kulturellen Dynamiken während des späten Pleistozäns (MIS 7–2; 250–14 ka BP) im südlichen Kaukasuskorridor mit einem regionalen Schwerpunkt auf Aserbaidschan. Ziel des Projekts ist es, technologischen Wandel, Siedlungsmuster, Mobilität und Umweltanpassung während des Übergangs vom Mittel- zum Jungpaläolithikum zu erforschen.

Der Kaukasus, gelegen zwischen Schwarzem und Kaspischem Meer, stellt einen zentralen biogeografischen Korridor dar, der Osteuropa und Westasien miteinander verbindet. Seine ökologische Heterogenität, seine Funktion als glaziales Refugium sowie sein reiches, jedoch bislang unzureichend erforschtes archäologisches Erbe machen ihn zu einer idealen Region für die Untersuchung von Homininen-Populationsdynamiken, kultureller Transmission und technologischer Innovation. Derzeit konzentriert sich das Projekt auf systematische Surveys in der Region Schuscha sowie auf die Ausgrabung der Fundstätte Azykh-Höhle.

Dieses Projekt ist eine Zusammenarbeit zwischen LEIZA, der Universität Karabach und der Aserbaidschanischen Nationalen Akademie der Wissenschaften.

Der archäologische Befund des späten Pleistozäns zeigt, dass ein menschliches Verhaltensrepertoire, das der Vielfalt heutiger Jäger- und Sammlergruppen ähnelt, zu unterschiedlichen Zeiten, in verschiedenen Weltregionen und bei unterschiedlichen Homininen-Taxa entstand. Dieses Muster ist das Ergebnis komplexer evolutionärer Entwicklungsverläufe, die von ökologischen, demografischen und sozialen Faktoren beeinflusst wurden. Zu diesen demografischen Prozessen zählen frühere Bevölkerungs­ausdehnungen, Fragmentierungen, Isolation, Rekombination sowie periodische lokale Aussterbeereignisse. Klimatische Schwankungen wirkten sich dabei maßgeblich auf die Populationsdynamik aus. Diese Prozesse und ihre materiellen Ausdrucksformen spielten eine entscheidende Rolle bei der Ausprägung und Weiterentwicklung des Verhaltensrepertoires früher Homininen. Die Nachverfolgung und das Verständnis solcher lokalisierten evolutionären Entwicklungsverläufe lassen sich am besten auf regionaler Ebene untersuchen – insbesondere in Regionen, in denen Migrationsdynamiken von Populationen über lange Zeiträume hinweg dokumentiert sind.

Der Kaukasische Korridor stellt hierfür ein einzigartiges Untersuchungsfeld dar. Der Kaukasus ist eine transkontinentale Region zwischen Schwarzem und Kaspischem Meer und umfasst hauptsächlich Armenien, Aserbaidschan, Georgien sowie Teile Südrusslands. Historisch wurde diese Region als natürliche Barriere zwischen Osteuropa und Westasien betrachtet. An der geografischen Schnittstelle zwischen Afrika und Eurasien gelegen, ist sie heute ein Biodiversitäts-Hotspot mit einer großen Vielfalt an Pflanzen- und Tierarten, darunter zahlreiche Endemiten, die sich unter glazialen Refugialbedingungen entwickelten – auch für frühere Homininen. Klimatische Schwankungen, aktiver Vulkanismus und tektonische Prozesse sowie eine ausgeprägte topografische Vielfalt erhöhten die ökologische Heterogenität im Pleistozän möglicherweise auf ein noch höheres Niveau als heute. Aufgrund ihrer geografischen Lage, der mosaikartigen Verteilung unterschiedlicher Umweltzonen mit außergewöhnlicher Biodiversität sowie vielfältiger, auf engem Raum verfügbarer Ressourcen bietet die Region ein natürliches Labor zur Überprüfung von Modellen homininer Verhaltensdynamiken, einschließlich technologischer und kultureller Anpassungen im zeitlichen Verlauf.

Dieses Projekt zielt darauf ab, diese Forschungsfragen anhand der einzigartigen Fallstudie Aserbaidschan zu untersuchen. In dieser Region sind mehrere bedeutende paläolithische Fundstellen dokumentiert. Obwohl die Azykh-Höhle die bekannteste archäologische Stätte ist, wurden in der Vergangenheit auch zahlreiche weitere Fundkontexte dokumentiert und ausgegraben. Dennoch fehlt es dieser Region trotz ihres enormen Potenzials an systematischer archäologischer Forschung, die unterschiedliche Fundensembles mit vergleichbaren methodischen Ansätzen untersucht. Auf Grundlage der vorhandenen Literatur ermöglichen die weit verbreiteten, werkzeugbestimmbaren lithischen Rohmaterialien sowie der reiche paläolithische Befund die Untersuchung der Rolle von Klima und Mobilität als steuernde Faktoren für Subsistenzstrategien sowie für technologische und kulturelle Verhaltensanpassungen.

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Kontakt

Dr. João Marreiros
+49 2631 9772-271
Kontakt

Projektzeitraum

Seit 09.2025

  • Karabakh University, Khankendi, Azerbaijan
  • ICArEHB, Interdisciplinary Center for Archaeology and the Evolution of Human Behaviour, University of Algarve, Faro, Portugal
  • Institute of Archaeology and Anthropology of ANAS (Azerbaijani National Academy of Sciences)

Marreiros, J. and Babazade, E., 2025. Garabagh Palaeolithic Project: Human ecological and cultural dynamics during the Late Pleistocene in the Caucasian corridor. New Archaeological excavations at Azykh Cave. Azerbaijan Journal of Archaeology and Anthropology1(1), pp.16-29. 

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