Wie überlebten Inselgemeinschaften in einer herausfordernden Umwelt?

Messkampagne von ROOTS, Uni Kiel und LEIZA auf Amrum erbringt vielversprechende Hinweise für weitere Untersuchungen

Sandstrand, Dünen und die Lage zwischen Nordsee und Wattenmeer locken jedes Jahr hunderttausende Touristen auf die nordfriesische Insel Amrum. Genau diese Umweltbedingungen, die heute eine wichtige Einkommensquelle für die Inselgemeinschaft sind, stellten die Menschen in früheren Jahrhunderten und Jahrtausenden vor existentielle Herausforderungen: Der Boden ist relativ unfruchtbar, der Wind weht zusätzlich Sand auf die Äcker und Sturmfluten bedrohen die Küsten.

Ein Team des Exzellenzclusters ROOTS, der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) sowie des Leibniz-Zentrums für Archäologie (LEIZA) am Standort Schleswig untersucht am Beispiel Amrum Siedlungsdynamik, Bodenmanagement und Strategien zur Konfliktbeilegung in einem eng begrenzten Siedlungsraum unter ständiger Bedrohung durch menschliche und umweltbedingte Gefahren. Vom 17. bis 22. März haben Till Kühl (ROOTS/CAU), Sarah Bäumler (Institut für Geowissenschaften der CAU), Niklas Dopp (Institut für Ur- und Frühgeschichte der CAU) und Ruth Blankenfeldt (LEIZA) für das Projekt »Multiple hazards on limited space« auf Amrum insgesamt 40 Hektar Fläche geomagnetisch vermessen. „Zusammen mit den geomagnetischen Messungen aus dem Jahr 2023 haben wir jetzt große, zusammenhängende Bereiche, die uns als Messbild vorliegen. Sie zeigen interessante Strukturen und dienen als Grundlage für weitere Untersuchungen“, berichtet Ruth Blankenfeldt.

Amrum ist für die Forschenden interessant, weil sich die archäologischen Fundstellen in einer offenen Landschaft befinden und daher gut zugänglich sind. Zusammen mit zum Teil hervorragenden Erhaltungsbedingungen liegen perfekte Voraussetzungen für die wissenschaftliche Bearbeitung vor. Außerdem war die Insel trotz aller Widrigkeiten von der Jungsteinzeit bis zur Neuzeit dicht besiedelt. Die Lage an der Nordsee als einem wichtigen Verkehrsweg war offenbar attraktiv.

Der begrenzte Raum und die schlechte Bodenqualität zwangen die Menschen gleichzeitig zu besonderen Anpassungen, um ihren Lebensunterhalt zu sichern. Sie praktizierten beispielsweise die sogenannte Plaggendüngung. Dafür entnahmen sie Erde aus Heide- und Waldgebieten, reicherten sie in den Ställen mit Dung an und brachte sie auf die Äcker aus. Es fehlt allerdings eine detaillierte Dokumentation dieser Böden und der negativen Begleiterscheinungen.

Weiterhin ist unklar, gegen welche Bedrohung die heute noch zum Teil sichtbaren großen Wallsysteme auf Amrum gerichtet waren. Naturgefahren, ungleich verteilte Lebensbedingungen und mögliche Angriffe von außen boten genügend Potenzial für Konflikte. Amrum dient daher als ideales Labor, um die Forschungsfragen des Projekts zu bearbeiten.

Im August plant das Team im Rahmen eines „Erasmus+ Blended Intensive Programs“ Austauschprogramms mit Studierenden mehrerer internationaler Partneruniversitäten eine umfangreiche Messkampagne auf Amrum. „Die tollen Ergebnisse der bisherigen Kampagnen bilden eine hervorragende Grundlage für Arbeit im Sommer“, betont Ruth Blankenfeldt.
 

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