Pressemitteilung

KulturGutRetter – Praxistest erfolgreich abgeschlossen

Dresden. In einem groß angelegten Praxistest erprobten Angehörige des Deutschen Archäologischen Instituts (DAI), des Leibniz-Zentrums für Archäologie (LEIZA) und der Bundesanstalt Technisches Hilfswerk (THW) im Rahmen des Projektes KulturGutRetter zwischen dem 18. und 19. Oktober 2023 in Dresden die Notversorgung von mobilem und immobilem Kulturgut in einem fiktiven Katastrophenszenario.

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 Drei Personen mitKulturGutRetter-Weste und Schutzhelm schauen auf ein Tablet und einen Laptop

Erprobung von Dokumentation, Schadenserfassung und Bergung von Kulturgütern in und an einem Baudenkmal
© DAI / Eva Götting-Martin

An zwei Standorten evaluierten insgesamt 57 Teilnehmende des DAI, LEIZA und THW unterstützt durch den Notfallverbund Dresden am 18. und 19. Oktober Workflows und Standards der geplanten KulturGutRetter- Einheit. Sie soll zukünftig dann weltweit zum Einsatz kommen, wenn Kulturgut durch Katastrophen akut gefährdet ist und internationale Hilfe benötigt wird. Während des Praxistests wurde in einem fiktiven Szenario die Gefährdung eines Baudenkmals und der Kulturgegenstände in dem Gebäude nachgestellt und die Bergung, Schadenserfassung, Dokumentation und Notversorgung des immobilen und mobilen Kulturguts erprobt.

Schadenserfassung und Dokumentation an einem Baudenkmal

Ein Einsatzteam, bestehend aus Mitarbeitenden des Architekturreferats des DAI und Ehrenamtlichen des THW, führte am Baudenkmal eine Schadenserfassung und Dokumentation mittels Structure for Motion (SfM), Befliegung durch UAV (Unmanned Aerial Vehicle) und 3D-Laserscanning durch. Gestützt durch die App QField wurden zudem systematisch Informationen zu Schäden am Gebäude und seiner Ausstattung aufgenommen. Der Einsatz dieser Techniken ließe im Katastrophenfall auch eine sichere Schadenserfassung aus der Ferne in potenziell stark zerstörten Arealen zu. Für die nötige Infrastruktur, wie Wegesicherung und Stromzufuhr sorgten Helfer des THW. Für den Test stellte die Stadt Dresden freundlicherweise das unter Denkmalschutz stehende, ehemalige Gebäude des Theaters der Jungen Generation zur Verfügung. 

Schnelle digitale Datenerfassung im Katastrophenfall

Für die Erfassung von Informationen, Bildern und Beschreibungen zu immobilem und mobilem Kulturgut entwickelte die IT-Abteilung des DAI innerhalb des KulturGutRetter-Projektes ein System, bei dem Informationen über mobile Geräte zusammengetragen werden und jederzeit abrufbar sind. Mithilfe von ID-Cards, die den Objekten zugeordnet werden, ist der Status der dokumentierten und notkonservierten Objekte während des Bergungs-, Dokumentations- und Erstversorgungsprozesses per QR-Code nachvollziehbar. Auch in sehr unübersichtlichen Katastrophensituationen gehen so keine wertvollen Informationen verloren. Das KulturGutRetter-Team erprobte während des Tests die Dateneingabe, Synchronisierung und Stabilität der Anwendung.

Das mobile Rettungslabor für Kulturgut im Test – Workflows und Standards

Für die Notversorgung des geborgenen beweglichen Kulturguts errichteten Fachleute für Konservierung/Restaurierung, Archäologie und Katastrophenhilfe auf dem Gelände des THW Ortsverbands Dresden sieben Rettungszelte, in denen ein mobiles modulares Rettungslabor aufgebaut wurde, das Expertinnen und Experten am LEIZA im Rahmen des KulturGutRetter-Projektes entwickelt haben. Bereits während des Aufbaus wurden Aufbauanleitungen der modularen Labortische von den Teilnehmenden evaluiert, um die Montage der Geräte und Labormöbel zukünftig noch intuitiver und verständlicher zu machen. Konzepte für Infrastruktur, Logistik, Führung und Koordinierung etablierten vorab Fachkräfte des THW im Rahmen des Projektes.

Die testweise geborgenen Gemälde, Münzen, Scherben, Textilien, Archivalien und andere Kulturgüter durchliefen im Folgenden verschiedene Stationen in den Zelten. Im Eingangszelt führte das Team eine Ersterfassung durch. Sie fotografierten und beschrieben die Objekte mithilfe der im Rahmen des Projekts weiterentwickelten App QField. In den nächsten beiden Zelten nahmen Fachleute für Konservierung das Kulturgut in Empfang und reinigten die Gegenstände je nach Bedarf an mehreren Nass- oder Trockenreinigungsstationen und führten erste Maßnahmen zur Notkonservierung durch.  In weiteren Zelten fotografierten und dokumentierten Teammitglieder den Endzustand des notversorgten Objektes und verpackten es fachgerecht. In einem Zelt, das als Ausgangslager diente wurden die Kulturgüter deponiert, um sie zusammen mit den gesammelten Daten den Stakeholdern vor Ort übergeben zu können.

Im Laufe der Evaluation der Arbeitsabläufe sammelten die Fachleute von DAI, LEIZA und THW, unterstützt durch den Notfallverbund Dresden und den THW-OV Dresden wertvolle Feedbacks, Daten und Erkenntnisse, die es ihnen ermöglichen Workflows, Geräte und Software der KulturGutRetter weiterzuentwickeln und zu optimieren. Während des Praxistests zeigte sich, wie effektiv Fachleute des Kulturgutschutzes mit Einsatzkräften des THW zusammenarbeiteten. Prozesse griffen dabei gut ineinander und die Expertinnen und Experten der beiden Fachbereiche ließen ihre unterschiedlichen Perspektiven und Expertisen dabei einfließen.

Weitere Informationen zum Projekt KulturGutRetter

In der Vergangenheit wurde Kulturerbe immer wieder durch Erdbeben, Havarien, Bränden oder andere Katastrophe bedroht. Nachdem die Lebensrettungsphase in Katastrophengebieten abgeschlossen ist, soll es zukünftig auch möglich sein Kulturgut weltweit schnell und effektiv bergen, dokumentieren und versorgen zu können. Daher wurde 2019 das Projekt KulturGutRetter von seinen drei Partnern (DAI, LEIZA und THW), unterstützt durch das Auswärtige Amt ins Leben gerufen. Das Projekt bündelt vorhandene Kompetenzen des Kulturerhalts und der Katastrophenhilfe in Deutschland in einem Team von freiwilligen Fachleuten und Ehrenamtlichen des THW, die in Zukunft im Falle einer Katastrophe schnelle internationale Unterstützung bei der Sicherung und dem Erhalt von Objekten und Bauwerken leisten können. Einem internationalen Hilfeersuchen folgend kann die KulturGutRetter (Cultural Heritage Response Unit – CHRU) zukünftig über den Katastrophenschutzmechanismus der EU (UCPM) angefragt werden können. Die Projektpartner möchten damit einen Beitrag zum Schutz und Erhalt des kulturellen Welterbes nach Katastrophen leisten.

Weiterführende Links:

 

Leibniz-Zentrum für Archäologie (LEIZA)

Das LEIZA erforscht als Leibniz-Forschungsinstitut und -museum für Archäologie die materiellen Hinterlassenschaften aus 3 Mio. Jahren Menschheitsgeschichte. Ziel ist es, anhand archäologischer Funde und Befunde menschliches Verhalten und Handeln, menschliches Wirken und Denken sowie die Entwicklung und Veränderung von Gesellschaften aufzuzeigen und zu verstehen. Als eines von acht Forschungsmuseen der Leibniz-Gemeinschaft verbindet das LEIZA exzellente Wissenschaft mit Ausstellungen und ist mit seinem Bildungsauftrag gleichzeitig ein Ort des Dialoges mit der Öffentlichkeit. Das LEIZA ist weltweit tätig und betreibt bislang erfolgreich und umfassend Forschungen in verschiedenen Regionen Afrikas, Asiens und Europas. Die einzigartige Konzentration archäologischer, naturwissenschaftlicher, restauratorischer und informationstechnologischer Kompetenzen verbunden mit bedeutenden Werkstätten, Laboren und Archiven, erlaubt es dabei, objektorientierte Forschung zur Archäologie der Alten Welt (Asien, Afrika, Europa) von den Anfängen der Menschheitsgeschichte bis in die Neuzeit zu betreiben.

Das LEIZA war bis zur Umbenennung zum 1. Januar 2023 international bekannt als Römisch-Germanische Zentralmuseum (RGZM) und wurde im Jahr 1852 auf Beschluss der deutschen Geschichts- und Altertumsvereine in Mainz gegründet.

Pressekontakt

Leibniz-Zentrum für Archäologie (LEIZA)
Ludwig-Lindenschmit-Forum 1
55116 Mainz

Ebru Esmen M.A.
Pressearbeit und Onlinekommunikation

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