Beute der Neandertaler: Europas Eiszeit-Elefanten

Ein internationales Forschungsteam, darunter Wissenschaftler*innen des Archäologischen Forschungszentrums und Museums für menschliche Verhaltensevolution MONREPOS in Neuwied, einer Einrichtung des LEIZA, konnte die Lebensgeschichte vier Europäischer Waldelefanten (Palaeoloxodon antiquus) rekonstruieren – anhand der Analyse ihrer Zähne. Die Studie wurde im Fachjournal Science Advances veröffentlicht.

Die Elefanten – deutlich größer als heutige Arten – waren die größten Landsäugetiere des prähistorischen Europas und lebten während der letzten Warmzeit vor rund 125.000 Jahren. Studien von 2023, ebenfalls mit Beteiligung der MONREPOS-Wissenschaftler*innen, hatten gezeigt, dass sie zur Jagdbeute von Neandertalern gehörten.

Die Fundstelle Neumark-Nord in Sachsen-Anhalt zählt zu den wichtigsten europäischen paläontologischen Fundstellen des Europäischen Waldelefanten. Dort wurden die fossilen Überreste von mehr als 70 Elefanten entdeckt, die in dieser Gegend einst von Neandertalern erlegt worden waren. Durch diese außergewöhnliche große Anzahl gibt der Fundort zudem einen einzigartigen Einblick in die Beziehung zwischen diesen großen Tieren und den Menschen des Pleistozäns.

Mit einem innovativen Ansatz, der die Analyse von Isotopen (Kohlenstoff, Sauerstoff und Strontium) und Proteinen (Paläoproteomik) kombiniert, rekonstruierten die Forschenden das Wanderverhalten, die Ernährung und sogar das Geschlecht mehrerer Individuen der Elefanten. Isotopenanalysen des Elements Strontium entlang der Wachstumsrichtung der Backenzähne zeigten, dass sie sich über mehrere Jahre hinweg in unterschiedlichen europäischen Regionen aufhielten.

Die Studie ist die jüngste in einer Reihe laufender wissenschaftlicher Analysen von Fundmaterial aus dem ehemaligen Braunkohletagebau Neumark-Nord. Die Forschungsprojekte werden von einem gemeinsamen Team des Archäologischen Forschungszentrums und Museums für menschliche Verhaltensevolution MONREPOS in Neuwied – einer Einrichtung des Leibniz-Zentrums für Archäologie (LEIZA) –, der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU) und der Universität Leiden durchgeführt. Möglich wurden sie durch die kontinuierliche Unterstützung des Landesamts für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt. 

„Was wir in Neumark-Nord sehen, ist kein Bild bloßen Überlebens, sondern das einer Population, die ihre Umwelt verstand und über einen Zeitraum von mindestens 2.500 Jahren aktiv und auf komplexe Weise mit ihr interagierte“, sagt Studienautorin Sabine Gaudzinski-Windheuser, Professorin für vor- und frühgeschichtliche Archäologie an der JGU und Leiterin von MONREPOS.

Publikation

Elena Armaroli, Federico Lugli, Théo Tacail, Lutz Kindler, Sabine Gaudzinski-Windheuser, Fulco Scherjon, Wil Roebroeks, Glendon Parker, Hubert Vonhof, Anna Cipriani, Thomas Tütken, Wolfgang Müller: Life histories of straight-tusked elephants from the Last Interglacial Neanderthal site of Neumark-Nord (~125 ka). Science Advances (2026) 
https://doi.org/10.1126/sciadv.adz0114 

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