Die neue Einheit ist nun offiziell im EU-Katastrophenschutzverfahren registriert und damit als einsatzbereit gemeldet. Im Fall von Natur- oder durch Menschen verursachte Katastrophen kann Deutschland nach einem internationalen Hilfsersuchen bei der Notversorgung von bedrohtem Kulturerbe weltweit Hilfe leisten. Nach Annahme des Hilfsangebots durch das betroffene Land kann die CHRU gemäß EU-Standards innerhalb von 96 Stunden entsendet werden. Der Einsatz der Einheit erfolgt in der Regel erst nach Abschluss der lebensrettenden Sofortmaßnahmen. Im Vollbetrieb umfasst die CHRU ein 43-köpfiges Team sowie 18 Tonnen Material, ausgelegt für Einsätze von mindestens 10 Tagen.
Zur Durchführung ihrer Einsätze verfügt die CHRU über spezialisierte Ausstattung zum Schutz von Kulturgut. Für immobiles Kulturgut – wie historische Gebäude oder Denkmäler – stehen Materialien zur Reinigung, Dekontamination und Objektstabilisierung bereit. Für mobile Güter – wie bspw. Sammlungen – hat das LEIZA im Rahmen des Projekts KulturGutRetter ein mobiles Notfalllabor entwickelt: „Durch die in den letzten Jahren durchgeführten Ausbildungen und Erprobungen und die für den Einsatz artikulierten minimalen Standards zur Handhabung von Kulturgütern sind die KulturGutRetter-Freiwilligen und Einsatzkräfte gut gerüstet, jederzeit in den Kulturgutschutz entsendet zu werden. Außerdem wurden die Module des Notfalllabors und das dazugehörige Equipment für die Einheit mobiles Kulturgut nach mehreren Tests überarbeitet und sind jetzt fit für den Ernstfall,“ erläutert Ulrike Lehnert, Restauratorin am LEIZA.
Das Projekt bündelt in Deutschland vorhandene Expertise für Kulturerhalt und Katastrophenschutz und leistet ab 2026 weltweit schnelle Unterstützung bei der Bergung, Sicherung und Erhaltung von Objekten und Bauwerken. Gemeinsam entwickeln Kulturgutschutz- und Katastrophenschutzexpert*innen spezialisierte Ausstattung, digitale Workflows, Minimalstandards sowie Schulungen und bauen ein Netzwerk von Expert*innen auf, um wichtige Aufgaben wie Schadensbewertung, Bergung und Notversorgung von mobilem und immobilem Kulturerbe erfolgreich durchzuführen.
Das Projekt wird seit 2019 entwickelt, durch das Auswärtige Amt finanziert und vom Deutschen Bundestag unterstützt.
