Was erzählen Keramikscherben über den Wandel von Gesellschaften

Wie lassen sich Veränderungen in vergangenen Gesellschaften archäologisch erkennen? Ein Blick auf Keramik kann dabei überraschend viel zeigen.

Dr. Aleksandr Diachenko (Nationale Akademie der Wissenschaften der Ukraine) und Prof. Dr. Detlef Gronenborn (LEIZA) haben ein mathematisches Modell entwickelt, das Zusammenhänge zwischen Bevölkerungsgröße, Keramikproduktion und Informationsaustausch untersucht.

Getestet wurde das Modell an Tausenden von Keramikscherben aus Deutschland und der Ukraine. Im Fokus standen zwei Regionen: Südwestdeutschland zur Zeit der Linienbandkeramischen Kultur vor etwa 7.000 Jahren und die Zentralukraine zur Zeit der westlichen Trypillia-Kultur vor rund 6.000 Jahren.

Das Ergebnis: In beiden Regionen zeigen sich Phasen von Bevölkerungswachstum und anschließendem Rückgang. Gleichzeitig entwickelte sich die Vielfalt der Keramikverzierungen unterschiedlich. In Südwestdeutschland nahm sie mit wachsender gesellschaftlicher Komplexität zunächst zu und anschließend wieder ab. In der Zentralukraine wurde die Keramik dagegen zunehmend einheitlicher, unter anderem durch eine Spezialisierung des Handwerks.

Keramik kann damit Hinweise darauf liefern, wie Gesellschaften auf Veränderungen ihrer Bevölkerungsgröße, ihrer Arbeitsorganisation und ihres Austauschs von Wissen reagieren.

Die Studie ist in PLoS One erschienen.

Publikation

Aleksandr Diachenko & Detlef Gronenborn (2026), Social dynamics signals in archaeological time-series: How cultural transmission and production biases shape assemblage diversity, PLoS One 21(10): e0358135.
https://doi.org/10.1371/journal.pone.0358135

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