Dr. Céline Tomczyk wurde am Samstag, 13. Juni 2026 im Musée des Beaux Arts et d'Archeologie Joseph Déchelette in Roanne für ihre herausragende Doktorarbeit zur frühen Metallnutzung ausgezeichnet, die sie 2024 an der Universität Paris 1 Panthéon-Sorbonne abgeschlossen hat. Darin untersucht sie die Verbreitung und den Austausch von Kupfer, Blei und Silber in Europa von der Jungsteinzeit bis zum Beginn der Eisenzeit (vom 4. bis zum 1. Jahrtausend v. Chr.). Mithilfe moderner Isotopenanalysen konnte sie nachzeichnen, wie Metalle bereits vor mehreren Jahrtausenden über weite Entfernungen gehandelt und weitergegeben wurden. Die Arbeit verbindet archäologische Forschung mit naturwissenschaftlichen Methoden und eröffnet neue Einblicke in die frühen europäischen Austauschnetzwerke.
Die Jury des Preises hob besonders den europaweiten Ansatz der Studie hervor, der zeige, wie eng verschiedene Regionen schon in den Anfängen der Metallurgie miteinander verbunden waren. Mit Unterstützung des Preisgeldes möchte die Forscherin ihre Untersuchungen fortsetzen und insbesondere der Frage nachgehen, wie sich die Herkunft von Metallen bestimmen lässt, wenn diese – etwa durch Recycling – aus unterschiedlichen Quellen miteinander vermischt wurden.
Der bisherige Werdegang der Preisträgerin
Dr. Céline Tomczyk ist Geologin und Archäologin. Nach einem ersten Masterabschluss in Geologie an der Universität Lille, Frankreich, und mehreren Jahren Berufserfahrung als Geologieingenieurin in Québec, Kanada, und Französisch-Guayana wandte sie sich verstärkt der Archäologie zu. Ein zweiter Master an der Universität Paris 1 Panthéon-Sorbonne in Frankreich führte sie zur Erforschung des prähistorischen Bergbaus und der frühen Metallgewinnung. Anschließend begann sie an derselben Universität ihre Promotion mit dem Titel „De l’exploitation des minerais non ferreux aux productions métalliques de la fin du Néolithique au 1er âge du Fer en Europe : formation et caractérisation des réseaux d’échange“.
Ihr Interesse an diesen Themen geht unter anderem auf ihre Mitarbeit an den Ausgrabungen der neolithischen Feuersteinbergwerke von Spiennes in Belgien zurück, einer UNESCO-Welterbestätte und bedeutenden frühen Bergbaustätte Europas. Heute forscht Tomczyk als Postdoktorandin am Institut für Archäomaterialforschung (IRAMAT) auf dem Campus Paris-Saclay in Frankreich. Dort untersucht sie mithilfe geochemischer Methoden die Verbreitung von Metallobjekten im bronzezeitlichen Südostasien.
Nachwuchsförderung für exzellente Leistung
Der Europäische Archäologiepreis Joseph Déchelette („Prix européen d'archéologie Joseph Déchelette“) würdigt herausragende Leistungen von Promovierenden und wird alle zwei Jahre an Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler vergeben. Um sie zu Beginn ihrer wissenschaftlichen Karriere zu unterstützen, steht dem Preistragenden neben dem Fördergeld von 10.000 Euro auch die jeweilige wissenschaftliche Infrastruktur inklusive Forschungsaufenthalt an den renommierten Partnerinstitutionen zur Verfügung. Das Leibniz-Zentrum für Archäologie (LEIZA) beteiligt sich als fester Partner und gleichzeitiges Jurymitglied am Preisgeld mit 2.000 Euro. Auch bietet das LEIZA einen Forschungsaufenthalt am Standort Mainz und stellt die umfangreiche Fachbibliothek sowie freien Zugang zur hauseigenen Sammlung zur Verfügung.
Europäischer Archäologiepreis Joseph Déchelette
In Kooperation mit dem französischen Kulturministerium, dem Forschungszentrum von Bibracte, der Association Joseph Déchelette und weiteren Museen und archäologischen Vereinen hat das LEIZA den Archäologiepreis zur Nachwuchsförderung im Jahr 2015 eingerichtet. Benannt wurde er nach dem französischen Archäologen Joseph Déchelette (1862-1914), der als Wegbereiter der europäischen Archäologie gilt. Mit seinen Arbeiten zur Vorgeschichte und zu römischer Keramik setzte er Meilensteine in der Forschung. Die 2010 gegründete „Association Joseph Déchelette“ hält die Erinnerung an diesen Wissenschaftler lebendig.
Die Partner für die Verleihung des Europäischen Archäologiepreis Joseph Déchelette 2026 sind:
- das Kulturministerium / Generaldirektion für das Kulturerbe (Direction générale des Patrimoines)
- die Stadt Roanne / Musée des Beaux Arts et d'Archeologie Joseph Déchelette
- das Musée d'Archéologie nationale (MAN), Saint-Germain-en-Laye
- das Leibniz-Zentrum für Archäologie (LEIZA), Mainz
- das Laténium, Park und Museum für Archäologie, eine Einrichtung der Republik und des Kantons Neuenburg (in Verbindung mit der Stiftung Maison Borel)
- die Association pour la promotion des recherches sur l'âge du Bronze (APRAB)
- die Association française pour l'étude de l'âge du Fer (AFEAF)
- die Société préhistorique française (SPF)
- die Prehistoric Society, London
- die European Association of Archaeologists, Prag
- die Association Archéologie Suisse, Basel
- sowie Bibracte EPCC / Centre archéologique européen
Wissenschaftlicher Kontakt | Leibniz-Zentrum für Archäologie
Dr. Martin Schönfelder
Tel.: +49 (0) 6131 / 88 85-0 | E- Mail: martin.schoenfelder(at)leiza.de
Pressestelle LEIZA | Leibniz-Zentrum für Archäologie
Stephanie Mayer-Bömoser M.A.
Tel.: +49 (0) 6131 8885 165 | Mail: stephanie.mayerboemoser(at)leiza.de
Leibniz-Zentrum für Archäologie (LEIZA)
Das LEIZA erforscht als Leibniz-Forschungsinstitut und -museum für Archäologie den Menschen und seine Entwicklung auf Basis materieller Hinterlassenschaften aus drei Millionen Jahren zeit- und raumübergreifend. Die daraus gewonnenen grundlegenden Erkenntnisse verhelfen zum besseren Verständnis menschlichen Verhaltens und Handelns und der Entwicklung von Gesellschaften. Damit bereichert das LEIZA das Wissen zum Menschen um die archäologische Perspektive und schafft wesentliche Grundlagen für die Reflexion der Gegenwart und die Gestaltung der Zukunft. Mit der Archäologie versteht das LEIZA den Menschen in den Zusammenhängen und teilt die gewonnenen Erkenntnisse im internationalen Dialog. Das LEIZA ist weltweit tätig und betreibt bislang erfolgreich und umfassend Forschungen in verschiedenen Regionen Afrikas, Asiens und Europas. Die einzigartige Konzentration archäologischer, naturwissenschaftlicher, restauratorischer und informationstechnologischer Kompetenzen verbunden mit bedeutenden Werkstätten, Laboren und Archiven erlaubt es dabei, objektorientierte Forschung zur Archäologie der Alten Welt (Asien, Afrika, Europa) von den Anfängen der Menschheitsgeschichte bis in die Neuzeit zu betreiben. Als eines von acht Forschungsmuseen der Leibniz-Gemeinschaft verbindet das LEIZA exzellente Wissenschaft mit Ausstellungen und ist mit seinem Bildungsauftrag gleichzeitig ein Ort des Dialoges mit der Öffentlichkeit.
Bis zur Umbenennung zum 1. Januar 2023 war das LEIZA international bekannt als Römisch-Germanisches Zentralmuseum (RGZM) und wurde im Jahr 1852 auf Beschluss der deutschen Geschichts- und Altertumsvereine in Mainz gegründet. Seit 2024 ist das LEIZA an insgesamt vier Standorten in Deutschland vertreten: Mainz, Neuwied, Mayen und Schleswig. www.leiza.de
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