Konflikte formen das menschliche Zusammenleben seit seinen Anfängen. Gesellschaften haben daher schon früh damit begonnen, Institutionen und normative Rahmenbedingungen zu schaffen, um Auseinandersetzungen zu vermeiden, zu entschärfen oder zu regeln. Auch Machtdemonstrationen fungieren seit jeher häufig als abschreckende Strategien. Doch wenn solche Mechanismen scheitern, entsteht ein nahezu unbegrenztes Potenzial für Eskalation und Gewalt.
„Wir richten in unserer Konferenz den Blick bewusst nicht nur auf die sichtbaren Spuren eskalierter Gewalt, sondern ebenso auf die oft subtileren Formen der Konfliktvermeidung“, erklärt Co-Tagungsorganisator Dr. Thorsten Lemm vom LEIZA, Standort Schleswig. „Auch wenn in schriftlichen Quellen vielfältige Konflikte überliefert sind – archäologische Hinweise auf Schlachtfelder oder Massengräber sind selten. Dagegen finden wir zahlreiche Spuren von Grenzzonen, Befestigungsanlagen oder rituell markierten Pufferbereichen – Landschaften, die Menschen zielgerichtet als Mittel der Deeskalation gestaltet haben.“ Entsprechend seien Maßnahmen der Konfliktvermeidung und -vorbereitung in materiellen Hinterlassenschaften oft deutlich fassbarer, so Lemm.
„Konflikte formen Landschaften – und Landschaften formen Konflikte“, betont Mitorganisator Univ.-Prof. Dr. Dominik Maschek, Leiter des Kompetenzbereichs Römische Archäologie am LEIZA. „Um zu verstehen, warum es in bestimmten Regionen immer wieder zu gewaltsamen Auseinandersetzungen kam, müssen wir nicht nur die Ereignisse selbst betrachten, sondern auch die langfristigen räumlichen, sozialen und kulturellen Prozesse. Unsere Tagung bringt Forscherinnen und Forscher zusammen, um genau diese komplexen Wechselwirkungen zu diskutieren.“
Im Zentrum des Symposiums stehen grundlegende Fragen, unter anderem dazu, welche Strategien vergangene Gesellschaften einsetzten, um Konflikte zu deeskalieren oder zu vermeiden. Aber auch: Wie bereiteten sich die Menschen auf unvermeidliche Konflikte vor, und welcher Art waren dann diese gewaltsamen Auseinandersetzungen? Wie veränderten sich Strategien, Organisationsformen und menschliches Verhalten im historischen Verlauf? Zeitlich reichen die 21 Vorträge von der Jungsteinzeit bis in das hohe Mittelalter mit Exkursen bis in die jüngere Vergangenheit und Gegenwart; räumlich von England, Skandinavien und dem Baltikum bis in den Mittelmeerraum und die östliche eurasische Steppe.
„Unser Ziel ist es, Konflikte als entscheidenden Faktor der Mensch-Umwelt-Beziehung zu begreifen“, fasst Thorsten Lemm zusammen. „Indem wir die vielfältigen Dimensionen betrachten, in denen Konflikte oder ihre Regulierung ganze Landschaften prägen, schaffen wir ein tieferes Verständnis für historische Dynamiken – und für Mechanismen, die bis in unsere Gegenwart hineinwirken.“
Weitere Informationen und Tagungsprogramm:
https://www.leiza.de/kalender/details-veranstaltungen/tagung-landscapes-of-conflict
Wissenschaftlicher Kontakt
Univ.-Prof. Dr. Dominik Maschek
Leiter des Kompetenzbereichs „Römische Archäologie“
Leibniz-Zentrum für Archäologie (LEIZA)
Tel.: +49 (0)6131 8885-131 | Mail: dominik.maschek(at)leiza.de
Dr. Thorsten Lemm
Wissenschaftlicher Mitarbeiter
Leibniz-Zentrum für Archäologie (LEIZA), Standort Schleswig
Tel.: +49 (0)4621 813-385 | Mail: thorsten.lemm(at)leiza.de
Pressestelle LEIZA | Leibniz-Zentrum für Archäologie
Stephanie Mayer-Bömoser M.A.
Tel.: +49 (0) 6131 8885 165 | Mail: stephanie.mayerboemoser(at)leiza.de
Leibniz-Zentrum für Archäologie (LEIZA)
Das LEIZA erforscht als Leibniz-Forschungsinstitut und -museum für Archäologie den Menschen und seine Entwicklung auf Basis materieller Hinterlassenschaften aus drei Millionen Jahren zeit- und raumübergreifend. Die daraus gewonnenen grundlegenden Erkenntnisse verhelfen zum besseren Verständnis menschlichen Verhaltens und Handelns und der Entwicklung von Gesellschaften. Damit bereichert das LEIZA das Wissen zum Menschen um die archäologische Perspektive und schafft wesentliche Grundlagen für die Reflexion der Gegenwart und die Gestaltung der Zukunft. Mit der Archäologie versteht das LEIZA den Menschen in den Zusammenhängen und teilt die gewonnenen Erkenntnisse im internationalen Dialog. Das LEIZA ist weltweit tätig und betreibt bislang erfolgreich und umfassend Forschungen in verschiedenen Regionen Afrikas, Asiens und Europas. Die einzigartige Konzentration archäologischer, naturwissenschaftlicher, restauratorischer und informationstechnologischer Kompetenzen verbunden mit bedeutenden Werkstätten, Laboren und Archiven erlaubt es dabei, objektorientierte Forschung zur Archäologie der Alten Welt (Asien, Afrika, Europa) von den Anfängen der Menschheitsgeschichte bis in die Neuzeit zu betreiben. Als eines von acht Forschungsmuseen der Leibniz-Gemeinschaft verbindet das LEIZA exzellente Wissenschaft mit Ausstellungen und ist mit seinem Bildungsauftrag gleichzeitig ein Ort des Dialoges mit der Öffentlichkeit.
Bis zur Umbenennung zum 1. Januar 2023 war das LEIZA international bekannt als Römisch-Germanisches Zentralmuseum (RGZM) und wurde im Jahr 1852 auf Beschluss der deutschen Geschichts- und Altertumsvereine in Mainz gegründet. Seit 2024 ist das LEIZA an insgesamt vier Standorten in Deutschland vertreten: Mainz, Neuwied, Mayen und Schleswig. www.leiza.de
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