Pressemitteilung

Wie Stein Geschichte speichert

Neues ERC-Projekt „ConstruEnS“ entschlüsselt römische Monumentalbauten als Quellen von Gesellschaft, Umwelt und Herrschaft

Mainz. Wie prägten Bauprojekte die Entwicklung des Römischen Reiches? Welche Auswirkungen hatten sie auf Umwelt, Ressourcenmanagement und gesellschaftliche Strukturen? Und welche Rolle spielten monumentale Bauwerke bei der Organisation eines der größten Imperien der Weltgeschichte? Diesen grundlegenden Fragen widmet sich ein neues interdisziplinäres und überregionales Forschungsprojekt des Leibniz-Zentrums für Archäologie (LEIZA) und weiterer Institutionen, das in den kommenden fünf Jahren durch einen „ERC Advanced Grant“ des Europäischen Forschungsrats mit knapp 2,5 Millionen Euro gefördert wird.

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  Dieses Modell, zu sehen im Historischen Museum der Stadt Regensburg, veranschaulicht die Errichtung der Mauer des römischen Legionslagers „Castra Regina“ im Bereich der Porta Praetoria.

Bauen vor fast 2.000 Jahren: Dieses Modell, zu sehen im Historischen Museum der Stadt Regensburg, veranschaulicht die Errichtung der Mauer des römischen Legionslagers „Castra Regina“ im Bereich der Porta Praetoria. Das Lager wurde um 179 n. Chr. unter Kaiser Mark Aurel gegründet und lag an der Grenze des Römischen Reiches. Römische Monumentalbauten dienen dem neuen ERC-Projekt „ConstruEnS“ als Quellen für die Erforschung von Sozial-, Wirtschafts- und Umweltgeschichte.
© Michael Preischl, Museen der Stadt Regensburg

Das neue Forschungsprojekt „ConstruEnS – Construction, Environment, and Society on the Rhine and Danube Frontiers of the Roman Empire“ verfolgt einen neuartigen Forschungsansatz: Erstmals werden die Wechselwirkungen zwischen römischer Architektur, gesellschaftlichen Strukturen, Umweltbedingungen und imperialen Entscheidungsprozessen systematisch untersucht. „Während monumentale Bauwerke bis heute die öffentliche Wahrnehmung des Römischen Reiches prägen, wurden sie bislang vor allem als Zeugnisse architektonischer oder kunsthistorischer Leistungen betrachtet“, erläutert Projektleiter Prof. Dr. Dominik Maschek, am LEIZA Leiter des Kompetenzbereichs „Römische Archäologie“ und Stellvertreter der Generaldirektorin. „ConstruEnS versteht die Bauten dagegen als komplexe historische Archive, die Informationen zum Beispiel über Ressourcenströme, Arbeitsorganisation, technologische Innovationen, Umweltveränderungen und soziale Dynamiken bewahren“, so Maschek weiter.

Mit diesem Ansatz strebt das Projekt einen grundlegenden Paradigmenwechsel in den Geisteswissenschaften an. Historische Bauwerke werden nicht länger nur als Ergebnisse vergangener Entwicklungen betrachtet, sondern als zentrale Quellen für die Rekonstruktion von Sozial-, Wirtschafts- und Umweltgeschichte. Dafür entwickelt ConstruEnS innovative digitale Werkzeuge, analytische Methoden und Modellierungsansätze, die neue Maßstäbe für die Erforschung vormoderner Gesellschaften setzen.

Interdisziplinäre Erforschung von Bauten am Rhein und der oberen Donau

Im Zentrum der Untersuchungen stehen römische Monumentalbauten in Xanten, Köln, Mainz, Regensburg und der Römerstadt Carnuntum in Niederösterreich. Entlang von Rhein und oberer Donau entstanden zwischen dem 1. und 4. Jahrhundert n. Chr. bedeutende Städte und Militärstandorte, deren Entwicklung archäologisch sehr gut überliefert ist.

Methodisch verbindet ConstruEnS Archäologie, Architekturgeschichte, Archäometrie, Geowissenschaften, Alte Geschichte und Informatik zu einem hochgradig interdisziplinären Forschungsprogramm. Die gewonnenen Daten werden mithilfe neu entwickelter digitaler Analysewerkzeuge ausgewertet und in einer frei zugänglichen Online-Datenbank zusammengeführt. „Das Projekt etabliert wegweisende Standards für die Altertumswissenschaften und verdeutlicht anschaulich, wie die Erforschung antiker Monumentalbauten neue Perspektiven auf zentrale Herausforderungen menschlicher Gesellschaften eröffnen kann – von der Organisation komplexer Infrastrukturen bis zum Umgang mit Umwelt und Ressourcen“, zeigt die Generaldirektorin des LEIZA und Vizepräsidentin der Leibniz-Gemeinschaft Univ.-Prof. Dr. Alexandra W. Busch den anspruchsvollen Ansatz des Vorhabens auf. „Wir freuen uns darauf, ConstruEnS am LEIZA anzusiedeln, denn diese Ausrichtung der Forschung spiegelt sehr gut das Bestreben unserer Einrichtung wider, aus der Vergangenheit für die Gegenwart und Zukunft zu lernen“, betont Busch.

Gemeinsame europäische Spitzenforschung

Das Projekt ConstruEnS wird gemeinsam vom LEIZA, der Universität Trier und der Ruhr-Universität Bochum durchgeführt. Darüber hinaus vereint es führende Denkmal- und Forschungseinrichtungen entlang der ehemaligen römischen Nordgrenzen Europas: den Archäologischen Park Xanten (APX), das Römisch-Germanische Museum (RGM) Köln, die Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz (GDKE), das Amt für kulturelles Erbe der Stadt Regensburg sowie den Archäologischen Park Carnuntum und das Museum Carnuntinum des Landes Niederösterreich.

„Die Einwerbung eines ERC Advanced Grants, der zu den renommiertesten Forschungsförderungen weltweit zählt, ist ein großartiger Erfolg“, gratuliert Clemens Hoch, Minister für Wissenschaft, Weiterbildung und Gesundheit des Landes Rheinland-Pfalz den beteiligten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern. „Die Förderbewilligung zeigt eindrucksvoll, welches Potenzial in unserer Forschungslandschaft steckt – denn interdisziplinäre und überregionale Vorhaben wie ConstruEnS schaffen nicht nur neues Wissen, sondern haben im hochkompetitiven Wettbewerb auch mit innovativen Forschungsansätzen überzeugt. Damit trägt das Projekt dazu bei, die internationale Sichtbarkeit unseres Landes im Bereich der Wissenschaft weiter zu stärken“, so Hoch.

Förderung durch den European Research Council

Der Europäische Forschungsrat (European Research Council, ERC) ist eine von der Europäischen Kommission eingerichtete Institution zur Finanzierung von grundlagenorientierter und exzellenter Forschung. Er wird über das EU-Rahmenprogramm für Forschung und Innovation „Horizon Europe“ finanziert. Ziel der ERC-Förderung ist es, die besten und kreativsten Wissenschaftler*innen dabei zu unterstützen, neue Ansätze in allen Fachgebieten zu entdecken und zu erforschen. Besonders interdisziplinäre, die Grenzen ihres Fachbereiches überschreitende Ansätze werden hierbei als innovationsversprechend begrüßt.

Mit Advanced Grants unterstützt der Europäische Forschungsrat exzellente und etablierte Forscherinnen und Forscher, die neue Forschungsgebiete erschließen möchten. Für die Projekte erhalten sie bis zu 2,5 Millionen Euro über einen Zeitraum von bis zu fünf Jahren. 

Weitere Informationen zum ERC Advanced Grant: https://erc.europa.eu/apply-grant/advanced-grant

 

Wissenschaftlicher Kontakt

Prof. Dr. Dominik Maschek
Leiter des Projekts „ConstruEnS“
Leiter des Kompetenzbereichs „Römische Archäologie“
Leibniz-Zentrum für Archäologie (LEIZA), Standort Mainz
Tel.: +49 (0) 6131 8885 131  |  Mail: dominik.maschek(at)leiza.de

Pressestelle LEIZA | Leibniz-Zentrum für Archäologie

Stephanie Mayer-Bömoser M.A.
Tel.: +49 (0) 6131 8885 165  |  Mail: stephanie.mayerboemoser(at)leiza.de

 

Leibniz-Zentrum für Archäologie (LEIZA)

Das LEIZA erforscht als Leibniz-Forschungsinstitut und -museum für Archäologie den Menschen und seine Entwicklung auf Basis materieller Hinterlassenschaften aus drei Millionen Jahren zeit- und raumübergreifend. Die daraus gewonnenen grundlegenden Erkenntnisse verhelfen zum besseren Verständnis menschlichen Verhaltens und Handelns und der Entwicklung von Gesellschaften. Damit bereichert das LEIZA das Wissen zum Menschen um die archäologische Perspektive und schafft wesentliche Grundlagen für die Reflexion der Gegenwart und die Gestaltung der Zukunft. Mit der Archäologie versteht das LEIZA den Menschen in den Zusammenhängen und teilt die gewonnenen Erkenntnisse im internationalen Dialog. Das LEIZA ist weltweit tätig und betreibt bislang erfolgreich und umfassend Forschungen in verschiedenen Regionen Afrikas, Asiens und Europas. Die einzigartige Konzentration archäologischer, naturwissenschaftlicher, restauratorischer und informationstechnologischer Kompetenzen verbunden mit bedeutenden Werkstätten, Laboren und Archiven erlaubt es dabei, objektorientierte Forschung zur Archäologie der Alten Welt (Asien, Afrika, Europa) von den Anfängen der Menschheitsgeschichte bis in die Neuzeit zu betreiben. Als eines von acht Forschungsmuseen der Leibniz-Gemeinschaft verbindet das LEIZA exzellente Wissenschaft mit Ausstellungen und ist mit seinem Bildungsauftrag gleichzeitig ein Ort des Dialoges mit der Öffentlichkeit.

Bis zur Umbenennung zum 1. Januar 2023 war das LEIZA international bekannt als Römisch-Germanisches Zentralmuseum (RGZM) und wurde im Jahr 1852 auf Beschluss der deutschen Geschichts- und Altertumsvereine in Mainz gegründet. Seit 2024 ist das LEIZA an insgesamt vier Standorten in Deutschland vertreten: Mainz, Neuwied, Mayen und Schleswig. www.leiza.de 

@leizarchaeology 
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Pressekontakt

Leibniz-Zentrum für Archäologie (LEIZA)
Ludwig-Lindenschmit-Forum 1
55116 Mainz

Stephanie Mayer-Bömoser
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Forschungskommunikation

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Univ.-Prof. Dr. Dominik Maschek
Kompetenzbereichsleiter »Römische Archäologie« | Stellvertreter der Generaldirektorin

Bilder zum Download

 Dieses Modell, zu sehen im Historischen Museum der Stadt Regensburg, veranschaulicht die Errichtung der Mauer des römischen Legionslagers „Castra Regina“ im Bereich der Porta Praetoria.
Ein Gebäude in Regensburg, von der Seite aufgenommen, so dass man den heute noch sichtbaren Torbogen und den Rest eines Turms der Porta Praetoria sieht.

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