Forschungsprojekt

Forschungskontinuität und Kontinuitätsforschung

Siedlungsarchäologische Grundlagenforschung zur Eisenzeit im Baltikum

Zusammengefasst

Das Projekt rekonstruiert anhand von Archiven und Sammlungen mittels Digitalisierung und Erfassung in einer Datenbank sowie anschließender Kartierung in einem GIS den archäologischen Forschungsstand im ehemaligen Ostpreußen bis 1945 und führt darauf aufbauend moderne Feldforschungen zur Siedlungsarchäologie in der äußerst fundreichen Region an der südlichen Ostseeküste durch, die sich überwiegend auf die Untersuchung von Burgwällen und Siedlungen des ersten nachchristlichen Jahrtausends konzentrieren.

Das reziproke Wortpaar „Forschungskontinuität und Kontinuitätsforschung“ im Projekttitel umreißt die wesentlichen Chancen und Schwierigkeiten der archäologischen Forschung in den äußerst fundreichen Landschaften an der südlichen Ostseeküste. Diese ist ebenso traditionsreich wie problembehaftet und für die Entwicklung des nördlichen und östlichen Europas bedeutsam. Dies gilt insbesondere für das ehemalige Ostpreußen, d.i. das heutige Kaliningrader Gebiet Russlands, das nördliche Polen und das südwestliche Litauen.
Einerseits verweist die „Forschungskontinuität“ im Titel auf die reiche, von Forschern mehrerer Länder über eineinhalb Jahrhunderte zusammengetragene Quellenbasis. Deren zentrales Element, die ehemalige Königsberger Prussia-Sammlung und regionale kleinere vorkriegszeitliche Bestände, schien durch die Kriegsereignisse und die späteren politischen Umstände lange Zeit verloren. Doch zu Beginn der 1990er Jahre wurden große Teile der Sammlungen wiederentdeckt. Seither wurden sie in jahrelanger, mühevoller Kleinarbeit soweit geordnet und aufbereitet, dass sie der Wissenschaft als Quellen wieder zur Verfügung stehen. Gerade diese Archivalien und Fundobjekte symbolisieren die durch den Zweiten Weltkrieg unterbrochene lange Forschungskontinuität, die im Rahmen des Projektes in internationaler Zusammenarbeit wiederhergestellt und weitergeführt wird.

Andererseits greift der Projekttitel mit der „Kontinuitätsforschung“ das Phänomen der bemerkenswerten Siedlungsstabilität der baltischen Kulturen auf. Sie überdauerten weitestgehend unverändert die großen Migrationsbewegungen der Völkerwanderungszeit, zumindest deuten ihre archäologischen Hinterlassenschaften darauf hin. Zu den markantesten Denkmälern zählen die zahlreichen Burgwälle, die in einem dichten Geflecht von benachbarten, meist noch unerforschten Siedlungen und Gräberfeldern liegen.

Das zentrale Anliegen des Vorhabens ist die umfassende Untersuchung einer äußerst komplexen Siedlungs- und Kulturlandschaft an der südlichen Ostseeküste im ersten nachchristlichen Jahrtausend. Dabei werden alle verfügbaren Archivalien und Funde aus den Altgrabungen ausgewertet. Gleichzeitig werden neue Forschungsergebnisse eingearbeitet und der heute standardmäßig zur Verfügung stehende, interdisziplinäre Methodenkanon ausgeschöpft. Die so rekonstruierte Fundstellenlandschaft vor 1945 wird durch die Untersuchung der Burgwälle erweitert. Einige ausgewählte Anlagen in dichten Siedlungsagglomerationen werden durch eine neue Methodenkombination aus maschinengetriebenen Bohrungen, Beprobung von relevanten Schichten und anschließender C14-Datierung in ihrer chronologischen Tiefe neu bestimmt. Dies stellt gleichzeitig die Schnittstelle zu den im Forschungsfeld 3, Forschungsthema 2 „Agglomerationen und Siedlungsräume“ untersuchten Konzentrationen menschlicher Besiedlung dar.

Das gemeinsame kulturelle Erbe der Region wird auf vielfache Weise erschlossen und gesichert. Die Ergebnisse werden in einem Archäologischen Atlas zusammengeführt. Ein Onlineportal dokumentiert darüber hinaus den Quellenbestand in digitaler Form. Die Resultate einzelner Untersuchungen werden fortlaufend in einer Publikationsreihe zur Kultur- und Besiedlungsgeschichte vorgelegt und so der internationalen Fachwelt und der breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Studien zur Siedlungsgeschichte und Archäologie der Ostseegebiete

Allgemeine Beiträge:

2024

2022

  • L. Bernard, T. Ibsen, A. K. Loy u. H. Whitefield, Report from the EAA 2022 COMFORT roundtable, Session #399 “Linking databases for comparing research: do we need a European hillfort information system?”. The European Archaeologist 74, 2022, 26–27.
  • E. Dutkiewicz, J. Fütterer, S. Kriesch u. G. Möller, Die Steinbeile und -äxte der Prussia-Sammlung im Museum für Vor- und Frühgeschichte. Acta Praehistorica et Archaeologica 54, 2022, 9–99.
  • T. Ibsen, Kringitten/Kulikovo Hillfort in the Kaliningrad Oblast’: New Dating Evidence. Kringiteno/Kulikovo piliakalnis Kaliningrado srityje: nauji chronologiniai duomenys. In: V. Vaitkevičius u. A. Bliujienė (Hrsg.), Atrasti praeitį. Išsaugoti ateičiai. Straipsniai, skirti Gintauto Zabielos 60-mečiui [Discovering the Past Preserving for the Future. Essays on the Occasion of Gintautas Zabiela’s 60th Birthday] (Klaipėda/Vilnius 2022) 241–261.
  • T. Ibsen, Spatial and temporal distribution of hillforts on the Sambian peninsula in Russia. In: T. Ibsen, K. Ilves, B. Maixner, S. Messal u. J. Schneeweiß (Hrsg.), Fortifications in their Natural and Cultural Landscape: From Organising Space to the Creation of Power. Schriften des Museums für Archäologie Schloss Gottorf, Ergänzungsreihe, Band 15 (Bonn 2022) 141–166.

2021

2020

2018

2017

  • T. Ibsen, J. A. Prassolow u. H. Eilbracht, Ostpreußen reloaded. In: B. V. Eriksen, A. Abegg-Wigg, R. Bleile u. U. Ickerodt (Hrsg.), Interaktion ohne Grenzen. Beispiele archäologischer Forschungen am Beginn des 21. Jahrhunderts, Band 2 (Schleswig 2017) 819‒831. 

2016

2015

2014

  • J. A. Prassolow u. T. Ibsen, Die Wiederentdeckung des verloren geglaubten Wissens. Rekonstruktion und Analyse der archäologischen Landschaft im ehemaligen Ostpreußen. Archäologische Nachrichten für Schleswig-Holstein 20, 2014, 8‒11.

2013

2012

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